Für Versicherungsmakler Simplr-Login

Private Krankenversicherung: Für wen sie sich rechnet

Ärzte im Gespräch als Symbol für die umfassende Versorgung durch die private Krankenversicherung


Die private Krankenversicherung (PKV) ist für viele Menschen trotz steigender Beiträge im Alter nach wie vor eine attraktive Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung. Das liegt auch an ihrer werbewirksamen Ausrichtung. Denn besonders Personen, die über ein hohes Einkommen, ein geringes Lebensalter und einen guten Gesundheitszustand verfügen, werden mit niedrigen Beiträgen gelockt. Aktuell sind rund zehn Prozent der Menschen in Deutschland privat krankenversichert. Dieser Ratgeber zeigt, was dieses Versicherungsmodell für Dich bereithält und wo die wesentlichen Unterschiede zur gesetzlichen Krankenversicherung liegen.

 

Frau mit Häkchen-Symbol als Sinnbild für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung

Der Leistungskatalog der privaten Kranken­versicherung

In Deutschland existiert seit dem Jahr 2009 die allgemeine Krankenversicherungspflicht. Du musst Dich daher entweder gesetzlich oder privat krankenversichern. Auf dem Markt gibt es rund 30 Anbieter privater Krankenversicherungen. Die Debeka, die Deutsche Krankenversicherung DKV, die Axa, die Allianz Private Krankenversicherung und die Signal Iduna sind die fünf mitgliedstärksten Unternehmen. Doch was bieten sie?

Die Leistungen der privaten Krankenversicherung lassen sich nur schwer mit denen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichen. Denn Du stellst den Versicherungsschutz nach Deinen individuellen Bedürfnissen zusammen. Dafür findet eine Art Baukastenprinzip Anwendung: Du erhältst einen Tarif für ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen. Was dann genau versichert ist, entnimmst Du den Vertragsbedingungen. Viele Policen beinhalten z. B. die privatärztliche Behandlung im Krankenhaus, auch Chefarztbehandlung genannt. Diese privatärztliche Behandlung erhältst Du ebenso im ambulanten und im zahnärztlichen Bereich.

Leistungsgrenzen und -ausschlüsse

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung bestehen kaum starre Grenzen bei den Leistungen. Maßgeblich für eine Beurteilung sind aber die individuell vereinbarten Tarife. Du solltest unbedingt darauf achten, dass Du alle Fragen zum Gesundheitszustand wahrheitsgemäß beantwortest. Vorerkrankungen müssen lückenlos angegeben werden. Wer Krankheiten verschweigt, riskiert im Leistungsfall die Verweigerung der Erstattung.
Für Neukunden bestehen meistens Leistungsausschlüsse in der Anfangszeit. Das heißt: Du zahlst die vereinbarten Beiträge, kannst die Behandlungen aber noch nicht mit dem Versicherer abrechnen. In der sogenannten Wartezeit musst Du bei Krankheit daher mit finanziellen Mehrbelastungen rechnen. Wenn Du jedoch unmittelbar aus der gesetzlichen Krankenversicherung wechselst, werden Dir die Vorversicherungszeiten auf die Wartezeit angerechnet – warst Du also lückenlos gesetzlich krankenversichert, hast Du faktisch keine Wartezeiten.

Als Versicherter baust Du früh Altersrückstellungen auf. Diese sollen verhindern, dass sich Deine Beiträge im Alter zu stark erhöhen. Was eigentlich eine gute Idee ist, erweist sich bei einem Versicherungswechsel allerdings als problematisch. Eine Mitnahme der Rückstellungen zu einer anderen privaten Krankenversicherung ist nicht im vollen Umfang möglich. Deshalb lohnt sich der Wechsel nach längerer Versicherungsdauer meistens nicht – lass Dich von Lockangeboten nicht blenden und überlege Dir einen Wechsel daher sehr gut.

Mann mit Vertragsunterlagen als Symbol für den Wechsel in die private Krankenversicherung

Wer kann sich privat versichern – und was kostet es?

Nicht jeder kann die private Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass Du nicht pflichtversichert bist. Das betrifft vor allem Beamte, Selbstständige und Freiberufler. Aber auch abhängig Beschäftigte mit einem Bruttoeinkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze können in die PKV wechseln. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze wird jährlich angepasst und liegt 2026 bei 77.400 Euro brutto im Jahr. Als Angestellter bist Du nur so lange privat versicherbar, wie Dein Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. Sinkt es dauerhaft darunter, wirst Du wieder versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein Wechsel in die GKV kann deshalb vor allem durch eine berufliche Veränderung anstehen. Wer das 55. Lebensjahr vollendet hat, kann in der Regel nicht mehr in die GKV zurückkehren; seit 2026 wurden auch die letzten rechtlichen Umwege gesetzlich geschlossen.

Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung bezieht sich die Beitragshöhe bei Privatversicherten nicht auf das Einkommen. Vielmehr stehen das Alter, der Gesundheitszustand und der Leistungsumfang im Vordergrund. Risikopatienten, die schon bei der Antragsstellung Krankheiten haben, müssen mit Zuschlägen rechnen. Darüber hinaus existieren verschiedene Möglichkeiten, den Beitrag zu reduzieren: Zum Beispiel, wenn Du einen höheren Selbstbehalt vereinbarst oder auf bestimmte Leistungen verzichtest. Ebenso gibt es Tarife mit Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit. Im Grunde hast Du in der privaten Krankenversicherung sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten. Beschäftigte im Staatsdienst müssen sich nur zu einem geringen Prozentsatz privat versichern – in den sogenannten Beihilfe-Ergänzungstarifen. Der Steuerzahler ergänzt den fehlenden Anteil über die Beihilfe. 

Bei privat versicherten Angestellten übernimmt der Arbeitgeber einen Anteil der Beiträge. Übrigens: Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen können nicht wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung kostenlos mitversichert werden. Sie zahlen einen eigenen Beitrag.

Eine Police individuell ausrichten

Die private Krankenversicherung lässt Dir viel Spielraum, Deinen eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Du kannst zwischen unterschiedlichen Bausteinen und Tarifen wählen und kommst in den Genuss von hohen Leistungen, trägst aber für die Abrechnung auch eine höhere Verantwortung.

Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung ist und einen Wechsel in die private Krankenversicherung anstrebt, sollte sich diesen Schritt gut überlegen. Denn die Entscheidung ist weitreichend und kann nachher nur noch schwer korrigiert werden. Ab dem 55. Lebensjahr ist eine Rückkehr zu den gesetzlichen Krankenkassen nahezu ausgeschlossen. Auch sind schon in jungen Jahren die enormen Beitragssteigerungen im Alter zu bedenken. Eine Kombination der gesetzlichen Krankenversicherung mit einer privaten Krankenzusatzversicherung kann für manche eine sinnvolle Alternative sein.

Was eine private Krankenversicherung typischerweise abdeckt

In einer privaten Krankenversicherung lässt sich der Schutz individuell zusammenstellen. Typische Leistungsbereiche sind:

  • Zahnbehandlungen und Zahnersatz: Privatärztliche Zahnbehandlung, hochwertiger Zahnersatz und kieferorthopädische Leistungen, die über den GKV-Standard deutlich hinausgehen können.

  • Krankentagegeld: Absicherung des Einkommens bei längerer Arbeitsunfähigkeit – besonders relevant für Selbstständige, die keinen Arbeitgeber haben, der im Krankheitsfall weiterzahlt.

  • Ambulante und stationäre Heilbehandlungen: Privatärztliche Behandlung, freie Arztwahl, Chefarztbehandlung im Krankenhaus und Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer.

Ein praktischer Vorteil, den viele Privatversicherte im Alltag spüren: Bei Fachärzten bekommst Du in der Regel deutlich schneller einen Termin als gesetzlich Versicherte. Das liegt daran, dass Privatpatienten nach der ärztlichen Gebührenordnung höher vergütet werden – was sich direkt auf die Priorisierung in der Terminvergabe auswirkt. Der Vorteil der PKV: Du bestimmst selbst, welche Leistungen Du absichern möchtest und damit auch, was Dein Schutz kosten soll.

Warum der Preis bei der privaten Kranken­versicherung nicht das Wichtigste ist

Werbung wie „PKV ab 49 Euro im Monat" klingt verlockend – doch solche Einstiegstarife bilden in der Regel weder Deinen tatsächlichen Leistungsbedarf noch die langfristige Beitragsstabilität ab. Eine private Krankenversicherung muss über Deinen Leistungsbedarf und die Beitragsstabilität ermittelt werden. Günstige Tarife, die nicht auf Deine Situation zugeschnitten sind, können Dich spätestens im Alter finanziell belasten.

Eine private Krankenversicherung ermöglicht grundsätzlich die bestmögliche gesundheitliche Versorgung. Diese maßgerecht abzuschließen, erfordert tiefgehende Beratung und vor allem Zeit. Nimm Dir diese Zeit, hol Dir unabhängige Unterstützung und kläre Deine Wünsche, bevor Du Dich entscheidest.

Themen: Gesundheit