Private Unfallversicherung: Auch in der Freizeit abgesichert
„Eine private Unfallversicherung ist sinnlos. Wenn mir etwas passiert, greift doch auch die gesetzliche!“ Weit gefehlt! Die gesetzliche Unfallversicherung leistet lediglich, wenn Du einen Arbeitsunfall oder einen Unfall auf dem Weg dorthin erleidest, und auch hier gibt es Tücken: Versichert ist nur, wer sich direkt zur Arbeit begibt – und in der Mittagspause nur mit „der Motivation zur Nahrungsaufnahme“ unterwegs ist. Schon ein kleiner Umweg über die Fußgängerzone kann dazu führen, dass Du selbst auf den Unfallkosten sitzenbleibst. Rund 80 Prozent aller Unfälle passieren ohnehin in der Freizeit, wie beim Sport, im Haushalt oder unterwegs. Um diese Lücke zu schließen, kannst du eine private Unfallversicherung abschließen. Sie gilt rund um die Uhr und damit auch dort, wo die gesetzliche Unfallversicherung endet. Erfahre hier, worauf Du beim Abschluss achten solltest.
Die Invaliditätssumme bestimmt die Höhe der Auszahlung
Beim Abschluss einer privaten Unfallversicherung spielt die sogenannte Invaliditätssumme die wichtigste Rolle. Dies ist die Summe, die im Schadensfall maximal ausbezahlt wird. Nach einem Unfall wird Dein Verletzungsgrad – der sogenannte Invaliditätsgrad – durch ärztliche Gutachten festgestellt. Abhängig davon leistet Deine Versicherung einen bestimmten Prozentsatz der Invaliditätssumme; bei Vollinvalidität wird die vereinbarte Leistung komplett ausbezahlt. Experten empfehlen eine Grundsumme von mindestens 200.000 Euro, beziehungsweise das Fünf- bis Sechsfache des aktuellen Bruttojahresgehalts. So kannst Du im Falle eines schweren Unfalls Deine Lebenssituation anpassen und zum Beispiel Deine Wohnung behindertengerecht ausbauen.
Achte beim Abschluss einer privaten Unfallversicherung außerdem auf die vereinbarte Gliedertaxe. Diese regelt, wie viel Prozent der Grundsumme für ein bestimmtes Körperteil ausbezahlt werden. Ist zum Beispiel der Daumen unfallbedingt nicht mehr funktionsfähig, erhältst Du 20 Prozent der Gesamtsumme; verlierst Du ein Auge, leistet die Versicherung 50 Prozent der Invaliditätssumme. Stellt der Arzt hingegen fest, dass Dein Auge noch zu 50 Prozent funktionsunfähig ist, erhältst Du nur die Hälfte, also 25 Prozent der Summe. Einige Versicherer bieten mittlerweile eine „verbesserte Gliedertaxe“ an, bei der die einzelnen Invaliditätsgrade höher als üblich berechnet werden. Wenn durch den Unfall mehrere Körperteile beeinträchtigt werden, addieren sich die Summen.
Wichtige Leistungen der privaten Unfallversicherung
In vielen Fällen ist es empfehlenswert, eine Unfallrente und die Todesfallleistung als Zusatzleistungen mit in die Police einzubinden. Die Unfallrente sichert Dir, zusätzlich zur Invaliditätssumme, eine festgelegte monatliche Auszahlung. Sie kommt zum Tragen, wenn Deine Leistungsfähigkeit zu mehr als 50 Prozent beeinträchtigt ist und Du bis an Dein Lebensende eingeschränkt bist. Beachtet werden sollte dabei, dass die Rente nur bei Unfällen, nicht aber bei Krankheiten leistet. Die Todesfallleistung regelt den Fall, dass der Versicherte innerhalb eines Jahres an den Unfallfolgen verstirbt. In diesem Fall wird eine festgelegte Summe an die Hinterbliebenen ausbezahlt, mit der etwa die Kosten für die Beerdigung übernommen werden können.
Willst Du die auszubezahlende Summe im Schadensfall erhöhen, kannst Du auch eine Police mit Progression wählen. Durch eine Progression steigt die Invaliditätssumme im Versicherungsfall um einen vereinbarten Prozentsatz an. Im Regelfall gibt es drei Progressionsstaffeln, zwischen denen Du wählen kannst: 225 Prozent, 350 Prozent und 500 Prozent. Wird eine Progression von 500 Prozent gewählt und Du erleidest einen Unfall, durch den Du vollinvalid wirst, bekommst Du bei einer vereinbarten Grundsumme von 200.000 Euro eine Million ausbezahlt.
Wer körperlich aktiv ist, ob beim Sport, im Haushalt oder auf der Arbeit, sollte einen Tarif wählen, der über den Standardschutz hinausgeht. Es empfiehlt sich, erhöhte Kraftanstrengung und Eigenbewegung einzuschließen. Zerrst Du Dir durch eine ruckartige Bewegung Muskeln, Sehnen oder Bänder, ohne dass ein äußeres Ereignis wie ein Sturz vorliegt, greift die Versicherung trotzdem. Infektionen nach einem Zeckenbiss, Such- und Rettungskosten, Krankenrücktransport sowie kosmetische Operationen nach sichtbaren Unfallfolgen sind weitere Bausteine, die sich lohnen. Lass Dich umfassend beraten, um sicherzustellen, dass alle für Dich relevanten Punkte im Vertrag enthalten sind.
Hast Du keine private Krankenzusatzversicherung abgeschlossen, lässt sich ein Kranken(haus)tagegeld in Deine private Unfallversicherung integrieren. Läuft die Lohnfortzahlung Deines Arbeitgebers nach sechs Wochen ab, kannst Du das meist gering ausfallende Krankengeld damit aufstocken und beispielsweise eine Haushalts- oder Betreuungshilfe für die Kinder während Deiner Abwesenheit finanzieren.
Kosten für eine private Unfallversicherung
Die Kosten für eine private Unfallversicherung richten sich nach der Höhe der Invaliditätssumme, der gewählten Progression und dem Leistungsumfang des Tarifs. Einfache Tarife sind bereits ab wenigen Euro im Monat zu haben – wer eine höhere Grundsumme, eine Progression und zusätzliche Bausteine wählt, zahlt entsprechend mehr. Auch Dein Alter bei Eintritt in die Versicherung spielt eine Rolle: Je jünger Du bist, desto günstiger fällt in der Regel der Beitrag aus. Kinder lassen sich oft besonders kostengünstig absichern. Wer einem erhöhten Berufs- oder Freizeitrisiko ausgesetzt ist – Versicherer sprechen hier von der „Gefahrengruppe" – muss mit Zuschlägen rechnen.
Achtung bei Vorerkrankungen und Extremsportarten
Grundsätzlich stehst Du Deinem Versicherer gegenüber in der Informationspflicht. Du musst ihn über Vorerkrankungen und andere Gesundheitsfragen in Kenntnis setzen. Unter Umständen führt dann ein sogenannter „Mitwirkungsanteil“ zur Kürzung der Leistung im Falle eines Unfalls: Sobald eine Vorerkrankung zu mindestens 25 Prozent zu Deiner Invalidität beigetragen hat, darf der Versicherer die Leistung anteilig kürzen – und das kann erhebliche Folgen haben. Versicherer können Anträge bei chronischen Vorerkrankungen auch ablehnen.
Dies gilt übrigens gleichfalls für Berufs- und Extremsportler, die berufsbedingt ein höheres Risiko haben. Wer solche Hobbys nur freizeitbedingt ausübt, bekommt für gewöhnlich Beitragszuschläge berechnet. Auch ein Berufswechsel muss gemeldet werden und kann sich auf die Auszahlungshöhe auswirken. Ebenfalls oft übersehen: Unfälle unter Alkoholeinfluss sind im Standardtarif häufig ausgeschlossen – manche Tarife schließen leichte Bewusstseinsstörungen durch Alkohol ein, aber das ist keine Selbstverständlichkeit und sollte vor Vertragsabschluss gezielt geprüft werden.
Was ist über die Unfallversicherung versichert?
Die private Unfallversicherung besteht aus einer Kernleistung und mehreren Bausteinen, die sich je nach Tarif kombinieren lassen.
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Invaliditätszahlungen: Die Höhe richtet sich nach den Unfallfolgen und den vereinbarten Versicherungssummen.
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Unfallrente: Im Regelfall wird ab 50 Prozent Invalidität eine lebenslange Rente gezahlt.
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Krankenhaustagegeld: Ein Tagessatz wird für jeden Tag im Krankenhaus ausgezahlt.
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Unfalltod: Sinnvoll auch als Vorableistung bei schweren Unfällen ohne Todesfall.
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Bergungskosten: Die Kosten einer notwendigen Bergung – zum Beispiel bei einem Skiunfall – werden übernommen.
Beispiel: So kann die Leistung einer Unfallversicherung aussehen
Es muss nicht immer der große Unfall sein: Bei einem Spaziergang knickst Du an einer Wurzel unglücklich um und kannst nicht weitergehen. Du rufst ein Taxi und lässt Dich in die Notaufnahme fahren, wo beim Röntgen ein Bänderriss festgestellt wird. Die Taxikosten fallen unter Krankentransport und werden erstattet. Beinhaltet Dein Tarif ein Schmerzensgeld, erhältst Du auch das. Wenn Du eine stehende oder körperlich anspruchsvolle Tätigkeit ausübst und vorübergehend nicht arbeiten kannst, greift zusätzlich das Krankenhaustagegeld, sofern Du es als Baustein eingeschlossen hast.